Was der Stundenverrechnungssatz ist
Der Stundenverrechnungssatz ist der Betrag, den du deinem Kunden für eine Arbeitsstunde berechnest. Er muss viel mehr decken als den Lohn: die Lohnnebenkosten, die Stunden, in denen der Mitarbeiter bezahlt wird, aber nichts Verkaufbares tut, und alle Kosten des Betriebs von der Werkstattmiete bis zur Versicherung. Obendrauf kommt ein Aufschlag für Wagnis und Gewinn.
Wer seinen Satz zu niedrig ansetzt, merkt das oft erst am Jahresende: Die Auftragsbücher waren voll, aber auf dem Konto ist kaum etwas übrig.
Der Rechenweg Schritt für Schritt
- Bezahlte Stunden im Jahr: Wochenstunden mal 52. Bei 40 Stunden sind das 2.080 Stunden.
- Lohnkosten im Jahr: Stundenlohn mal bezahlte Stunden, plus Lohnnebenkosten des Arbeitgebers. Dazu zählen Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft und Umlagen. Viele Betriebe liegen bei 22 bis 30 Prozent.
- Produktive Stunden: Von den Arbeitstagen ziehst du Urlaub, Feiertage und Krankheit ab. Von der verbleibenden Zeit ist nur ein Teil verkaufbar, der Rest geht für Fahrten, Material holen, Aufräumen und Absprachen drauf.
- Gemeinkosten verteilen: Alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden, teilst du durch die produktiven Stunden aller Mitarbeiter. Dazu gehört auch ein angemessenes Gehalt für dich als Inhaber, wenn du selbst nicht mitarbeitest.
- Selbstkosten plus Gewinn: Lohnkosten und Gemeinkosten je produktiver Stunde ergeben die Selbstkosten. Darauf kommt der Aufschlag für Wagnis und Gewinn.
Beispielrechnung
Mit den Startwerten im Rechner sieht das so aus: Ein Geselle verdient 22 Euro brutto bei 40 Wochenstunden. Das sind 45.760 Euro im Jahr, mit 25 Prozent Lohnnebenkosten 57.200 Euro. Nach 30 Urlaubs-, 10 Feier- und 10 Krankheitstagen bleiben 210 Arbeitstage oder 1.680 Stunden. Davon sind 80 Prozent produktiv, also 1.344 verkaufbare Stunden.
| Posten | Je produktive Stunde |
|---|---|
| Lohnkosten (57.200 € / 1.344 h) | 42,56 € |
| Gemeinkosten (60.000 € / 3 Mitarbeiter / 1.344 h) | 14,88 € |
| Selbstkosten | 57,44 € |
| Wagnis und Gewinn (10 %) | 5,74 € |
| Stundenverrechnungssatz netto | 63,18 € |
Bei einem Stundenlohn von 22 Euro muss der Betrieb also rund 63 Euro netto verlangen, fast das Dreifache. Wer hier 45 Euro ansetzt, weil „das alle so machen“, arbeitet bei jeder Stunde mit Verlust.
Die häufigsten Fehler
- Mit 2.080 Stunden rechnen. Bezahlt ja, verkaufbar nein. Das allein macht den Satz oft 30 bis 40 Prozent zu niedrig.
- Den Inhaber vergessen. Wer selbst im Büro sitzt, Angebote schreibt und Kunden berät, muss sein eigenes Gehalt in die Gemeinkosten einrechnen.
- Fahrzeit nicht berücksichtigen. Entweder sie steckt im Anteil der unproduktiven Zeit, oder du berechnest sie extra. Wie, steht im Anfahrtskosten-Rechner.
- Nie neu rechnen. Löhne, Energie und Versicherungen steigen jedes Jahr. Den Satz mindestens einmal im Jahr prüfen.
Wenn der Satz höher ist als gedacht
Das ist der häufigste Moment nach dem Rechnen: Der ehrliche Stundensatz liegt deutlich über dem, was man bisher verlangt. Dann gibt es drei Hebel. Erstens den Preis anpassen, und zwar mit guter Begründung statt Entschuldigung. Zweitens den Anteil produktiver Zeit erhöhen, etwa durch bessere Tourenplanung und weniger Leerfahrten. Drittens Aufträge gewinnen, bei denen der Preis nicht das einzige Argument ist.
Der dritte Hebel ist der stärkste. Kunden, die über eine Empfehlung, gute Bewertungen oder eine überzeugende Website kommen, vergleichen weniger über den Preis. Wie man an solche Anfragen kommt, steht in Aufträge für Handwerker finden: 8 Wege im Vergleich.
Häufige Fragen
Wie hoch ist ein üblicher Stundenverrechnungssatz im Handwerk?
Das hängt stark von Gewerk, Region und Betriebsgröße ab. Viele Betriebe landen bei ehrlicher Rechnung zwischen 55 und 85 Euro netto. Entscheidend ist nicht der Durchschnitt, sondern deine eigenen Kosten.
Was gehört zu den Gemeinkosten?
Alles, was nicht direkt einem Auftrag zugeordnet wird: Miete, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherungen, Büro, Software, Telefon, Werbung, Steuerberater und das Gehalt des Inhabers, wenn er nicht selbst produktiv mitarbeitet.
Wie viele produktive Stunden hat ein Mitarbeiter im Jahr?
Meist zwischen 1.300 und 1.500 Stunden. Von rund 2.080 bezahlten Stunden gehen Urlaub, Feiertage, Krankheit sowie Fahrten, Rüstzeiten und Absprachen ab.
Ist der Stundenverrechnungssatz netto oder brutto?
Der Satz wird netto kalkuliert. Privatkunden musst du Preise inklusive Mehrwertsteuer nennen, deshalb zeigt der Rechner beide Werte.
Wie oft sollte ich den Stundensatz neu berechnen?
Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn sich Löhne, Mitarbeiterzahl oder größere Kosten wie Miete oder Fahrzeuge ändern.
Aufträge, bei denen nicht nur der Preis zählt
Wir schalten die Anzeigen, rufen jede Anfrage an und buchen Aufmaßtermine in deinen Kalender. Du zahlst nur dein Werbebudget.
7 Tage gratis testen →